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"..und da stand der Bordstein auf und schlug mir in die Fresse."


Überall.

Das was man am besten kann.



Das was man am besten kann, das tut man gerne.
Man holt sich gerne Bestätigung und Anerkennung.
Das was man am besten kann, das versucht man zu perfektionieren.
Das was man am besten kann, das zeigt man der Welt.
Und manchmal glaubt man es nur zu können.

Menschen die nichts am besten können, können manchmal nichts und manchmal von allem ein bisschen. Aber für 'nichts' oder 'ein bisschen' bekommt man keinen Applaus.
Für solche Dinge bekommt man ein Nicken und wendet sich danach,
so wie das restliche Publikum, an denjenigen der wirklich etwas davon versteht.

Manche dieser Menschen wollen dann unbedingt etwas sehr gut können,
unbedingt.
Und dann wird ausprobiert, erkundet und geübt.
Und dann sind sie verzweifelt, frustriert und verärgert.
Für Dinge, die man sehr gut kann sollte man entweder lange und hart geübt haben oder gar ein von Grund auf mitgegebenes Talent dafür besitzen.

Ansonsten scheitert man selbstverständlich.

Also scheitern sie.


Wirft man einen Menschen wie mich auf die Bühne um etwas von ihm zu sehen, versucht er kläglich etwas zu Stande zu bringen.
'Unterhalte sie einfach, egal mit was!' raunt es in meinem Ohr. Ich schirme mir mit der Hand die Augen ab, die Scheinwerfer blenden und ich spüre wie die Hitze von ihnen mein Gesicht in ein glühendes Rot taucht. Jede verstreichende Sekunde schürt die Angst in mir, Panik macht sich breit und beginnt schreiend im Kreis zu rennen.
Ich schlucke schwer und poche gegen das Mikro "Test, ..Test" , mhm.. funktioniert, was mir persönlich missfällt.
Einen Murmeln erhebt sich, als ich weiterhin schweige. Die Gedanken spielen vor mir Fange und ich kann ihnen nur hilflos dabei zusehen. Jemand hinter dem Vorhang räuspert sich.

Also gut, reiß dich zusammen und quatsch einfach drauf los.
Das kannst du doch am besten, oder?
Ja genau! Das wars! Reden! Schnell, flüssig und ohne Punkt und Komma. Ich schiebe die Schultern nach hinten, hebe den Kopf und blicke vollkommen überzeugt in das grelle Licht.

Und was genau wolltest du jetzt sagen?
Tu einfach so als könntest dus, dann fällt nicht auf, dass du nichts kannst.


"Also.. man hat mich heute hier hin gestellt um der Welt eine Mitteilung zu machen. Die werten Herrn Programmschreiber dachten sich, es wäre amüsant einem Menschen beim reden zuzusehen, der nicht reden kann. Um nun die Lacher nicht alle sofort verloren zu haben, dachte ich, ich setze noch eins drauf:
Rede ich doch einfach über mich.


Wissen sie, meine Damen und Herren, da gibt es viele schöne Geschichten die ihnen ein beherztes Lachen auf das eingefallene Gesicht zaubern würde, aber eine gefällt mir besonders gut. Wahrscheinlich mehr lächerlich als lachhaft.
Erst kürzlich kam es mir in den Sinn, mir einen jungen Mann auszusuchen, den ich relativ attraktiv aber sehr interessant fand. Nun denken sie sich, das sei nichts besonders – im Gegenteil, hören sie nur weiter!

In Zeiten des Word wide web und der Morgenpost scheinen die Menschen das Reden verlernt zu haben. So wie ich. Das macht die Sache bedeutend schwieriger die Sache? Nun, Interesse an jemanden zu bekunden, und zwar auf eine freundliche, bestimmte jedoch nicht aufdringliche Art. Interesse an einem fremden Menschen, einem Menschen dem man das eigentlich Interesse nicht einmal erklären könnte. Denn man kennt es doch selbst nicht. Da wird es schwierig und man begibt sich in Abgründe die man vorher geflissentlich ignoriert hat.

Abgründe? Aber natürlich! Dann sehen sie doch mal einen Menschen an! Nicht irgendeinen, sondern einen Fremden! Oder tun sie es nicht, wenn sie Interesse an ihm haben denn sie werden es nicht können, sie werden verstohlen wegsehen! Das werden sie! Peinlich berührt, wo man doch sonst aller Art von Nachrichten nur über die Tastatur verschickt. Finden sie jetzt noch heraus, das es kein Herankommen an denjenigen gibt, obwohl er oft doch nur wenige Meter vor ihnen steht, dann begreifen sie was ich meine.
Die Dame hat das reden verlernt! Dafür gelingt das Denken schneller. Die Dinger im Kopf versauen einem doch die Stimmung. Was das für Szenen auftauchen aus den Tiefen der Krater.

'Hätte ja.. Könnte ja.. Würde ja.. Und wenn dann.. Doch .. Oder besser.. Vielleicht ist er auch..'

Zurück katapultiert auf den Wortschatz eines Säuglings! In weniger als 5sek! Das mache mir einer mal nach meine Damen und Herren, sie haben richtig gehört! Kein Wort würde das Fräulein über ihre Lippen bekommen ohne sich dabei in Grund und Boden zu schämen.

Lächerlich wird es allerdings erst, wenn sie beginnt zu recherchieren, zu hinterfragen, nachzuschlagen kurzum, zu googeln.

Und was findet sie? Natürlich findet sie ihn im Internet, doch die Nachrichten sind weniger erfreulich. Was war doch gleich das Interesse? Ach das wusste sie doch selbst nicht.
Eingeschüchtert von einem markanten Beziehungsstatus bricht sie seufzend ab, verkriecht sich und fragt nochmal still nach.


Was war der Grund dieser überstürzten Mission und was genau wurde denn erwartet?
Sehen sie meine Damen und Herren,
die Menschen reden nicht, sie denken auch nicht nach bevor die etwas tun.
Die Kommunikation in diesem Fall spielt sich ausschließlich im Kopf ab.
Niemand wird davon erfahren, der tragischen Geschichte, von der – die nicht reden konnte.

Denn sie redet ja nicht.

Nein, sie schreibt nur."



Während mäßiger Beifall erklingt, stolpere ich die Stufen hinunter von der Bühne. Mit dem Handrücken wische ich mir die Schweißperlen von der Stirn, schnappe meine Jacke und lasse die Tür aufschwingen. Nur raus da, nur raus. Der kühle Oktoberwind streicht mir ums Gesicht und ich blicke kurz in den wolkenverhangenen Himmel. Na wenn das mal nicht ein Reinfall war meine Liebe, aber das ist ja nichts neues.
Da hast du dich mal wieder vor dir und der Welt blamiert..


Das kannst du immer noch am besten.








17.10.11 19:55


Da bin ich neidisch.

Da bin ich neidisch wenn ich so etwas lese.

Wörter die sich gegenseitig scheinbar ausspielen. Sätze die treffender nicht sein könnten. Ganze Abschnitte die eine Gänsehaut hervor rufen.

Da bin ich neidisch, weil ich sowas nicht kann. Bin neidisch auf all die anderen. Der pure Neid frisst sich langsam und artig bis in den kleinsten Winkel meines Hirns.

Da werd ich böse, wenn ich sowas lese. Verzweifelt und persöhnlich.

Aber auch ruhig.

Da werde ich plötzlich ganz klein mit Hut. Ganz still und wage mich gar nicht etwas schlimmes darüber zu sagen. Denn recht haben sie, im Recht sind sie. Die Autoren.
Die Autoren, bei denen ich denke, das sie keine fünf Minuten brauchen um Buchstaben und Wörter zum Leben zu erwecken. Bei denen ich mir vorstelle wie detailiert sie all die Ideen nur so niederschreiben, weil sie sie bereits kennen.

Da fühle ich mich hilflos, weil ich permanent an mir selbst arbeiten muss. Permanent den roten Faden suche und Stück für Stück wie ein gequältes Tier auf die nächsten Kapitel zusteuere.

Da ist mir klar, das es oft nur die Illusion ist. Ein Ziel was man erreichen will doch niemals sieht. Da ist mir klar, das es auch nicht jedem leicht fallen kann. Das man für das was man will schwer arbeiten muss.

Da ist mir klar, das es so ist wie es ist.

Und mit dieser Klarheit setze ich mich wieder hin und überlege, überarbeite, radiere aus und füge ein. Um ein paar zeilen weiter zu kommen.

So muss das sein.

Man kann nicht alles auf einmal haben.

24.7.11 22:50


Das Leben.

Ich irre durch Wälder, durch Schluchten, bin in Moskau, in Schlössern, in verbotenen Räumen, in dunklen Kerkern. Ich bin unter Liebenden, in Schlachten, unter Feinden und Freunden, bei Verschwörungen, dunklen Machenschaften und Verbundenen. Ich sehe wie sich Menschen lieben, wie Lebewesen sterben, wie Nachrichten ihre Wege finden, wie Hass und Trauer in Augen brennen und lange Tränenbäche in den Abgrund rinnen. Tränen der Freude, des Leids, der Angst, der Hoffnung. Ich bin ein stiller Beobachter, überall zur gleichen Zeit sehe ich diese Bilder, doch die Personen darin bemerken mich nicht. Ich stehe neben ihnen, wenn sie lachen, knie neben ihnen und halten ihnen die Hand wenn sie sterben, schaffe es nicht und will nicht wegsehen, wenn sie sich lieben. Ich spüre die Emotionen in mir kochen, mein Herz rast genauso wenn er den heiß ersehnten Kuss bekommt, ich weine wenn sie den Kampf nicht überlebt und bekomme keine Luft, wenn sich das Leben schlagartig ändert. Ich hetze von Bild zu Bild, Sequenz zu Sequenz, ich bin so nah, doch kann sie nicht berühren. Und es dauert, es dauert bis ich nicht mehr an meine Beziehungen denke, bis ich es geschafft habe zurück in die Wirklichkeit zu gehen, es dauert bis mein Herzschlag sich beruhigt, meine Gedanken sich legen. Ich brauche Spaziergänge mitten in der Nacht, lange Pausen bevor ich mit jemanden reden will, ich brauche Zeit um Luft zu holen und jedes mal brauche ich mehr davon. Jedes mal dauert es länger bis ich wieder greifbar bin, bis ich wieder hier angekommen bin- vor dem PC, auf dem Sofa, im Garten oder am See. Und jedes mal fällt es mir schwerer zurück zu gehen. Ich kenne viele Menschen, die nicht gern lesen, nicht viel und wenn dann nur, wenn sie mussten. Ich kenne viele, viel zu viele Menschen die in Wörtern und Sätzen nur Buchstaben sehen, nur wirre Zeichen, gekrakel. Ich sehe Leben, ich sehe soviel Leben, bin sehe es so deutlich das ich die Welt um mich herum vergesse. Nein, nicht jeder Autor schafft das. Aber manche, manche lassen mich in ihre Geschichten steigen und verführen mich. Ich lebe dann genauso darin, wie all die Figuren. Ich werde tödlich getroffen oder sanft berührt. Ich lebe darin, bis sie zu Ende ist. Danach vergeht sie, fällt in sich zusammen, zerbröckelt und rieselt wie Sand zu Boden. Dann zerbricht auch meine Welt für einige Minuten, es fällt mir schwer loszulassen, schwer zu begreifen das es ein Ende gibt. Denn ich möchte so gern mit ihnen weiterleben, mir ihr leben ansehen und fühlen und vielleicht sogar spüren. Ich es auch leben, mit all den gefahren, Skrupeln und wunderschönen Momenten. Es mögen manche sagen, das ich abschweife, ich solle lieber hier und jetzt leben. Ja, es ist dumm sich in Bücher zu verrennen, sich in Charaktere zu verlieben. Oh ja, wie dumm es ist in Geschichten zu leben und warum da man nicht wieder heraus kommt, versteht man nicht. Doch sie geben mir das, was ich hier nicht habe. Diese Welt hat keine Abenteuer für mich. Sie zwingt mich, mich zu bilden, um danach zu arbeiten bis ich sterbe, jeden Tag. Mir ist bewusst, das es in Büchern oft auch so ist- doch am Ende jedes Buches schafft der Held das, was er schaffen wollte, weil es immer ein Schlupfloch gibt, einen Plan einen Zufall, der ihm das gibt, was er wollte. Er ist leidenschaftlich und genießt es. Ich weiß nicht was ich in dieser Welt will. Ich habe nichts was ich will- nichts zumindest was ich wirklich bekommen könnte. Ich lebe in den Geschichten, denn sie geben mir etwas. Etwas anderes als diesen grauen Wahnsinn, als diese Welt in die ich nicht gehöre. Ich verlaufe mich in Geschichten. Eines Tages werde ich mich so verirren, das ich den Weg zurück nicht mehr sehen werde. Das weiß ich.
18.7.11 21:11


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